Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Mittwoch, 12. September 2012

LEBENDIG SCHREIBEN



Wer gelesen werden will, muss lebendig sein. Für Tote interessiert sich niemand.


Bildquelle: Gerd Altmann/Shapes:mosh  / pixelio.de
Leben bedeutet Entwicklung, es bedeutet Aktivität und Bewegung. Tod hingegen heißt Stillstand. Wer seine Texte für ein Publikum schreibt, muss so schreiben, dass seine Texte gerne gelesen werden. Nichts ist schlimmer als langweilige, unstrukturierte und fehlerhafte Texte. Um lebendig zu schreiben, muss man nun nicht alles in Szene setzen und übertrieben stark formulieren. Es geht vielmehr darum, an den kleinen Wörtern zu feilen, unnötige Wörter zu streichen und die Sinneserinnerungen der Leser zu aktivieren.

Leben bedeutet Aktivität = Handlung

Lebendig zu schreiben, heißt Verben zu benutzen. Verben sind Wörter, mit denen Handlungen ausgedrückt werden. Sie sind nicht so starr wie Hauptwörter und können eine Tat vor den Augen der Leser visualisieren.

Beispiel für zu viele Substantive und zu wenige Verben:
Am letzten Sonntag im August gelangte auf dem Marktplatz vor dem Denkmal wieder das Straßenfest zur Durchführung.

Sechs Substantive. Zwar ist verständlich, was ausgesagt werden soll, aber der Satz ist langweilig – er ist tot. Er erzeugt keine Spannung, liefert keine Emotionalität und lässt auch nicht Bilder entstehen, die mit den Sinneseindrücken der Leser im Zusammenhang stehen. Eine Möglichkeit, den Satz lebendig zu schreiben, besteht darin, Adjektive zu benutzen. Aber Vorsicht: Zu viele Adjektive sind Gift für lebendige Texte.

Beispiel des obigen Satzes mit Adjektiven:
Am letzten Sonntag im August gelangte bei strahlendem Sonnenschein auf dem großen Marktplatz vor dem großen Denkmal wieder das traditionelle Straßenfest zur einwandfreien Durchführung.

Jetzt ist der Satz noch länger. Die Adjektive beschreiben in etwa die einzelnen Aussagen, aber lebendiger wirkt der Satz noch immer nicht. Wenn man lebendig schreiben will, muss man eine Atmosphäre schaffen. Am besten die Atmosphäre vom Straßenfest. Das gelingt mit Verben:

Beispiel des obigen Satzes mit Verben:
Am letzten Sonntag im August war Familien- und Festtag: Große und Kleine haben gemeinsam gespielt, getanzt und gegessen. Der Marktplatz bebte unter den Menschenmassen, die alle zum Straßenfest eilten, um das vielfältige Programm mitzuerleben.

Durch den Einsatz von Verben erhalten die Aussagen etwas Lebendiges. Verben vermitteln Handlungen und erzeugen Bilder in den Köpfen. Doch nicht jedes Verb ist geeignet, um Lebendigkeit zu schaffen; Bürokraten-Verben sollte man meiden.

Schreiben für die Sinne

Lebendigkeit wird dadurch erzeugt, dass sich die Leser unter den schriftlichen Aussagen etwas Konkretes vorstellen können, in das sie sich hineinfühlen- und denken können. Um das zu ermöglichen, muss man die Sinneserfahrungen berücksichtigen. Statt eine Szene distanziert zu beschreiben, geht es darum, sie aus einer möglichst nahen Perspektive zu beschreiben. Unter Drehbuchautoren herrscht eine einfache Grundregel, die auf jeden Text angewendet werden kann: „Show, don’t tell.“ Man soll also nicht erzählen, was man sagen will, sondern man soll es zeigen. Statt abstrakter Schilderungen soll man Bilder wie an einer Kinoleinwand erzeugen – Szenen!

Beispiel ohne Sinne:
Christian ist nervös.

Beispiel mit Sinnen:
Als sich Christian setzte, fiel eine Schweißperle von seiner Stirn auf den Boden herab. Er wippte auf dem Stuhl hin und her. Seine Hände versteckte er unter seinem Po, damit er nicht mehr an den Fingernägeln knabbern konnte.

Szenische Schilderungen eignen sich nicht immer. Oftmals ist es auch gut, in einer distanzierten und nüchternen Weise zu schreiben. Das hängt von der Zielgruppe und dem Thema ab. Nüchterne Texte müssen nicht zwangsläufig langweilig sein. Der Einsatz von mehr Lebendigkeit kann auch kontraproduktiv sein – vor allem wenn man ein rein sachliches Thema versucht, auf Krampf zu beleben. In der Regel erwarten Leser von Sachliteratur sachlich und nüchtern formulierte Texte.