Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Freitag, 12. Oktober 2012

Dialoge schreiben



Dialoge leben durch Natürlichkeit.

Wer schon einmal eine Kurzgeschichte oder einen Roman geschrieben hat, wird wissen, wie schwierig eine Dialoggestaltung sein kann. Die Aneinanderreihung von Wörtern und das Setzen von Anführungszeichen machen noch lange keinen Dialog aus – erst wenn dieser lebendig wird, also auch Gefühle vermitteln kann, wird es ein Gespräch, das der Leser ernstnehmen kann.

Natürlichkeit heißt nicht Alltäglichkeit
Es ist wichtig, Natürlichkeit nicht mit Alltäglichkeit zu verwechseln, denn Alltäglichkeit hat nur bedingt etwas mit Natürlichkeit im Sinne von Lebendigkeit zu tun.

Beispiel:
„Wie geht es dir?“
- „Danke! Mir geht es gut. Und selbst?“
„Naja – muss ja irgendwie.“
- „Was machst du am Wochenende?“
„Weiß nicht.“

Tatsächlich kann ein Alltagsgespräch so verlaufen. Und es ist sogar natürlich. Aber so sollte man keinen Dialog in einem Werk verfassen, das ein gewisses Maß an Spannung benötigt. Vermeiden Sie langweilige und banale Dialoge, die nichtssagend sind. Es geht bei der Dialoggestaltung noch nicht mal so sehr darum, was gesagt wird, sondern wie es gesagt bzw. geschrieben wird.

Wählen Sie Spannung oder Geheimnis
Um Langeweile zu vermeiden, müssen Sie Spannung aufbauen. Dies können Sie innerlich oder äußerlich tun. Eine äußere Spannung entsteht durch einen spannend geschriebenen Dialog, der den Leser von Satz zu Satz zieht. Eine innere Spannung ist dagegen eher indirekt und entsteht, wenn während des Dialogs ein Geheimnis vom Leser entdeckt wird, welches er lüften will. Beide Möglichkeiten schaffen eine Spannung, weil der Dialog entweder von sich aus schon spannend ist oder weil ein Geheimnis mitgetragen wird.

Beispiel:
Wie geht es dir?
- „Oh, wer spricht denn da? Ich kann Sie nicht sehen.“

Zum einen wird bei dem Beispielsatz die Erwartung beim Leser nicht erfüllt, denn dieser erwartet eine normale Antwort auf eine normale Frage, nämlich „Danke! Mir geht es gut. Und selbst?“. Da aber auf die Frage eine Gegenfrage folgt („Wer spricht denn da?“) wird Spannung erzeugt. Außerdem stellt sich der Leser bewusst oder unbewusst selbst eine Frage, nämlich: Wieso sieht er ihn nicht. Diese Frage ergibt sich durch die Aussage „Ich kann Sie nicht sehen.“ – Ist er blind? Ist es dunkel? Wird er abgelenkt?

Indirekte Dialoge
Indirekte Dialoge ermöglichen vielmehr Spielraum für Leser und Autor, weil man als Autor vieles zwischen die Zeilen schieben kann bzw. als Leser vieles zwischen den Zeilen herauslesen kann. Man kann den Dialog mithilfe von Beschreibungen erweitern und so ein umfassendes Bild von Mimik, Gestik, Handlungen und Umwelt kreieren.

Beispiel:
Ich fegte die Stube aus und als ich ein mit Blut beflecktes Taschentuch fand, das hinter der Couch unter dem Gardinenrand lag, kam plötzlich Elli herein. Sie trug eine weiße Bluse und eine kurze Jeans, die ihr gerade über die Pobacken reichte. Ich sagte zu ihr: „Schön dich zu sehen.“ und versteckte das Taschentuch hinter meinem Rücken. Elli kam auf mich zu und als sie vor mir stand, konnte ich ihren herrlichen Parfümduft riechen: Christina Aguilera by night – himmlisch! „Wo willst du denn so hin?“ fragte ich und versuchte meine Neugier zu verbergen. Aber Elli schien mich zu durchschauen und erwiderte: „Hm, weiß nicht – vielleicht ins Diebels, vielleicht aber auch einfach nur so irgendwo hin.“ Ich nickte und war bemüht, nicht zu sehr auf ihre Schenkel zu glotzen.
Auf einmal fragte sie mich, was ich hinter meinem Rücken halten würde. „Was?“, fragte ich und tat, als hätte ich sie nicht verstanden. „Hinter deinem Rücken. Du versteckst doch etwas vor mir. Zeig es mir.“ Ich drückte das Taschentuch fest gegen meine Handinnenfläche und erwiderte: „Ich mache grad sauber und habe etwas Müll gefunden. Den wollte ich grad wegwerfen.“ Unter keinen Umständen sollte Elli das mit Blut getränkte Taschentuch sehen. Nicht jetzt! Bevor sie mir antworten konnte, fragte ich sie: „Möchtest du heute Abend mit mir ausgehen?“

Ein relativ alltäglicher Dialog: Ein Mensch macht sauber und wird von einer anderen Person unterbrochen. Es entwickelt sich ein leichtes Gespräch. Es geht aber noch über die Alltäglichkeit hinaus, denn der Leser wird angehalten, zwischen den Zeilen zu lesen. Die erste Frage, die sich auftut ist die Frage nach dem blutigen Taschentuch. Dann stellt sich die Frage, wieso Elli dieses Taschentuch nicht sehen soll. Weiterhin kann man nach dem Motiv von Elli fragen, wieso  sie den Protagonisten provoziert, indem sie eine schwammige Antwort auf die Frage gibt, wo sie hin will.

In einem indirekten Dialog bedeuten Fragen und Antworten meist mehr als das rein Gesagte der Personen. Darum sind die Be- und Umschreibungen sehr wichtig, in die der Dialog eingebettet wird. Als Leser muss man nun weiterlesen, wenn man die Fragen, die sich im Kopf stellen, beantwortet wissen will.