Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Dienstag, 31. Dezember 2013

Textkorrektur – nur wie?



Nachdem ein Text fertiggestellt wurde, sollte er auf jeden Fall vom Autor selbst und – wenn möglich – von weiteren Personen kontrolliert werden, um Fehler in der Rechtschreibung und Grammatik sowie unpassende Ausdrücke und Satzbauweisen zu finden.

Wer einen Text, vor allem einen längeren, fertiggestellt hat, der darf sich getrost zurücklehnen, verschnaufen und sein Meisterwerk voller Ehrfurcht betrachten. Doch die Freude, die beim Fertigstellen eines Textes eintritt, ist nur vorübergehend. Jeder, der etwas von Textarbeit versteht, weiß, dass mit dem Abschluss eines Textes noch lange nicht die Arbeit am Text selbst beendet ist. Man mag die Struktur der Inhalte gesichert haben und auch kleinere wie größere Sinneinheiten verfasst haben, aber der Text ist noch immer ein ungeschliffener Diamant. Er muss korrigiert und ausgebessert werden. Verlage verfügen über eigene Korrektoren und Lektoren, die den Autor unterstützen. Doch jeder, der einen Text geschrieben hat, sollte diesen mindestens einmal selbst kritisch überarbeitet haben, bevor er ihn zu anderen Korrektoren gibt.

Besser mehrere gezielte Korrekturdurchgänge als nur einen einzigen
Es ist besser, einen Text mehrmals zu kontrollieren und bei jedem Durchgang einen anderen Schwerpunkt zu setzen. Durch die verschiedenen Schwerpunktsetzungen ist es möglich, den Text immer wieder aus einer anderen Perspektive zu lesen und zu deuten. Es ist zum Beispiel empfehlenswert, sich im ersten Korrekturdurchgang ausschließlich auf die Grammatik zu konzentrieren und nur nach Fehlern im grammatikalischen Bereich zu suchen. Der zweite Durchgang könnte sich dann beispielsweise ausschließlich auf die Rechtschreibung beziehen. Und im dritten Korrekturdurchgang kann man sich dem Inhalt widmen, indem man die inhaltliche Logik als Ganzes überprüft. Im vierten Durchgang muss es dann um die feinen Inhalte gehen. „Feine Inhalte“ meint in diesem Zusammenhang die gewählten Ausdrücke, den Satzbau und die inhaltliche Logik innerhalb größerer und kleinerer  Sinneinheiten.

Auch das Korrekturlesen durch Dritte sollte systematisch geschehen
Wenn man die Möglichkeit hat, den Text an andere Menschen zum Korrekturlesen zu verteilen, so kann jedem Korrektor ein bestimmter Korrekturschwerpunkt zugeteilt werden. Je nachdem über wie viel Kapazitäten die Korrektoren verfügen, können die Schwerpunkte dann so zwischen den einzelnen Korrektoren weitergegeben werden, dass am Ende jeder Korrektor einmal den Text mit jedem möglichen Korrekturschwerpunkt durchgearbeitet hat. So hat man nicht nur die Meinung verschiedener Leser, sondern die Meinung verschiedener Leser aus unterschiedlichen Korrektursichtweisen.

Das Korrigieren und Ausbessern eines Textes kann viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen – gerade wenn man zu stark selbstkritisch ans Werk geht. Deswegen ist es wichtig, mit Kritik von anderen sachlich umzugehen und die eigenen Kritikpunkte nicht immer all zu ernst zu nehmen. So wahrt man sich eine gewisse Distanz, die einem hilft, den Überblick zu wahren.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Wissenschaftlich denken: Hypothesen und Aussagen



Wissenschaftliches Schreiben gelingt nur, wenn man auch wissenschaftlich denken kann. Wissenschaftliches Denken ist logisches Denken. Es geht darum, Hypothesen abzuleiten, Hypothesen zu belegen, und eigene Aussagen zu treffen.



 Lupo  / pixelio.de


Aussagen, die in einem wissenschaftlichen Text nicht bearbeitet werden, sind wertlos. Ihnen fehlt die Substanz. Zwar haben sie einen bestimmten Inhalt. Aber wenn dieser Inhalt nicht aufgearbeitet wird, sondern isoliert stehen bleibt, ist er für die wissenschaftliche Arbeit sinnlos. Darum ist es wichtig, zu wissen, wie man mit Hypothesen, Aussagen und empirischen Daten umgehen sollte. Im Folgenden wird der Umgang mit empirischen Daten außenvorgelassen, weil diese Thematik den Rahmen der Arbeit sprengen würde und der gewählte Schwerpunkt auf Literaturarbeiten liegt.

Die Arbeit mit Aussagen


Wenn man selbst Aussagen trifft oder in Forschungs- und Theorieliteratur Aussagen anderer Autoren findet, dann gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie diese Aussagen bearbeitet werden können. Man kann die einzelnen Aussagen gegenüberstellen und sie gleich oder aber differenziert betrachten. Man kann sie aufzählen und diskutieren. Man kann an ihnen zweifeln oder sie fraglos übernehmen. Man kann die Aussagen beschreiben oder Kritik an ihnen üben. Aussagen können behauptet oder belegt werden.

Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit ist es, den Wissensvorrat der Gesellschaft zu erweitern. Das trifft auch auf die kleinen Arbeiten, wie Seminararbeiten, Bachelor- oder Masterarbeiten, zu. Ein wissenschaftlicher Autor hat damit die Aufgabe, Erkenntnisse zu gewinnen und zu systematisieren. Dazu bedarf er der Aussagen anderer Wissenschaftler und muss eigene Aussagen formulieren können. Die Voraussetzung für einen guten Umgang mit Aussagen ist auf kritische Distanz zu gehen und keine Gegebenheiten anzunehmen. Das heißt nicht, dass alles infrage gestellt werden müsste, aber es ist zwingend von einem rein deskriptiven Ansatz abzuraten, der ausschließlich der Beschreibung bereits vorhandener Erkenntnisse dient. Eine Beschreibung erfüllt zwar ihren Zweck, doch sollte sie in einem wissenschaftlichen Werk niemals allein stehen. Es geht darum, die relevanten Aussagen zu sortieren und in einen Zusammenhang zu setzen. Die Aussagen dienen dazu, Ursachen und Wirkungen herausarbeiten zu können. Dabei müssen die Aussagen mit einem wissenschaftlichen Charakter bewertet werden. Ein Text erzeugt erst dann eine Wirkung, wenn die Aussagen über einen Wahrheitsgehalt verfügen, wenn sie belegt werden können, und wenn sie Raum für weitere Interpretationen lassen. Eine Gültigkeit von Aussagen lässt sich anhand von vier Fragen feststellen: Ist die Argumentation logisch? Kann man die Aussage zumindest vom Grundsatz her widerlegen? Steht sie im Einklang mit anderen etablierten Aussagen? Lässt sich die Aussage empirisch überprüfen?

Die Arbeit mit Hypothesen

Hypothesen sind Behauptungen. Es handelt sich um Aussagen, deren Gültigkeiten möglich sein können. Für sie gibt es noch keine Beweise, und Hypothesen sind auch nicht verifiziert. Ein zentrales Merkmal ist die Angabe von Bedingungen, unter denen die Hypothesen gültig sein sollen. Im wissenschaftlichen Denken geht man von einem Problem der Wirklichkeit aus. Das heißt, dass ein Erklärungsbedarf für etwas besteht, das in der Realität vorgefunden wurde. Um einen Kausalzusammenhang, und damit eine Erklärung, für das Problem finden zu können, werden Lösungsvorschläge erarbeitet und in Hypothesen formuliert. Diese Hypothesen werden dann an realen Bedingungen überprüft. Manche Hypothesen scheitern an der Wirklichkeit, andere bestehen und werden weiter verarbeitet. Durch das ständige Bilden und Überprüfen von Hypothesen will man Gesetzmäßigkeiten finden, die den Bedingungen der Realität standhalten können.

Auf den ersten Blick scheint dieser Ansatz vor allem für naturwissenschaftlich-technische Disziplinen geeignet zu sein. Aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften arbeiten nach diesen Prinzipien. Wenn man beispielsweise in der Wirklichkeit eine zunehmende Jugendkriminalität feststellt, dann wird nach Ursachen gesucht, um von diesen ausgehend Lösungsansätze erarbeiten zu können, die die Jugendkriminalität bekämpfen sollen. Das Suchen nach Ursachen geschieht über die Hypothesenbildung. So kann man als eine exemplarische Hypothese formulieren: „Die Jugendkriminalität nimmt zu, weil die Kinder in den Medien mit immer mehr Gewalt konfrontiert werden.“ Diese Hypothese wird in einem wissenschaftlichen Verfahren untersucht. Man kann zum Beispiel eine Studie anlegen und im Quer- oder Längsschnittverfahren den Zusammenhang von medialer Gewalt und kriminellem Verhalten überprüfen. Wenn es bereits wissenschaftliche Erkenntnisse zur Jugendkriminalität und Mediengewalt gibt, dann können diese als Grundlage für weitere Untersuchungen genommen werden. Das Ziel sind generalisierbare Aussagen, die wissenschaftlichen Überprüfungen standhalten. Man geht also beim wissenschaftlichen Denken von einer noch nicht überprüften Hypothese oder von einer Fragestellung aus und gelangt zu Hypothesen, die theoretisch und/oder empirisch überprüfbar sind und im besten Fall den Anspruch auf eine Gesetzesaussage erheben können.
 

Donnerstag, 8. August 2013

Unnötiges streichen!



Die Angst, zu wenig zu schreiben, ist unbegründet. Besser ist es, Überflüssiges zu streichen und mit klaren Aussagen zu überzeugen.

                                                        Andreas Morlok  / pixelio.de




Wer einen Text schreiben muss, leidet gerade wenn es ein längerer Text werden soll, unter der Angst, die Seiten nicht füllen zu können. Diese Sorge führt nicht nur zu unnötigem Druck, sondern auch zu einer schlechteren Schreibe. Denn wer Angst hat, zu wenig zu schreiben, neigt dazu, einmal Gesagtes zu wiederholen, vermehrt Phrasen zu verwenden und Sätze mit unnötigen Wörtern zu verlängern. Hauptsache die Seiten werden voll. Dieses Vorgehen ist nicht nur für den Text schädlich, sondern auch für all jene, die ihn lesen. Lang gezogene Sätze verschleiern die zentralen Aussagen. Unnötige Wörter sorgen für Unverständnis und Langeweile. Wiederholungen wirken einfältig und teilweise sogar provozierend. Darum ist es erforderlich, vor einer Textveröffentlichung Zeile für Zeile des Textes zu lesen und alles, was gestrichen werden kann, zu streichen.

Drei Vorteile für den Leser:
   - Zeitersparnis beim Lesen, weil keine nutzlosen Worthülsen vorhanden sind
-  - Erkenntniszuwachs, weil der Sinn des Textes freigelegt ist
-  - Freude am Lesen, weil der Text flüssig gelesen werden kann

Leere Phrasen löschen
Die erste und einfachste Maßnahme, einen Text effektiv zu kürzen, um den Sinn besser herauszuarbeiten, ist es, leere Phrasen zu entfernen. Es sollte jeder Satz gelöscht werden, der keinen Bezug zum Thema des Textes hat. Oftmals wird zu pompös oder zu „wichtigtuerisch“ geschrieben, um den Eindruck von Seriosität zu erwecken. Solche gearteten Ausdrücke können gewissenhaft gelöscht werden, denn sie sind unnötig.

Ein Beispiel für eine sprachliche Luftblase:
In diesem Kontext möchte ich es mir nicht nehmen lassen, die Leser darauf hinzuweisen, dass in unserem Unternehmen die Bereiche Marketing und Vertrieb sehr eng zusammenarbeiten.
Der Satz scheint ernst zu klingen, aber ernstnehmen kann man ihn nicht. Die Vorbemerkung „möchte ich es mir nicht nehmen lassen, die Leser darauf hinzuweisen“ tut nichts zur Sache. Sie ist unnötig. Darum: Löschen! Die Leser benötigen diese Information nicht, um den Rest der Aussage deuten zu können. Weiterhin ist das Wort „Bereiche“ überflüssig, denn es ist klar, dass Marketing und Vertrieb bestimmte Bereiche sind. Gekürzt kann der Satz wie folgt lauten: Marketing und Vertrieb arbeiten in unserem Unternehmen eng zusammen.

Füllwörter streichen
Sätze werden mit Füllwörtern unnötig verlängert. Darum nennt man sie auch Flickwörter oder Blähwörter. Sie blähen etwas auf, wo gar nichts ist. In der gesprochenen Sprache kommen Füllwörter häufig zum Einsatz. In der geschriebenen Sprache sollte man sie vermeiden. Manchmal haben Füllwörter ihre Berechtigung, wenn es darum geht, etwas Bestimmtes zu betonen oder um den Klang eines Satzes zu verändern. In der Regel sind sie aber überflüssig.

Beispiele für Flickwörter:
Allenfalls, allzu, glatt, gleichsam, denkbar, quasi, schlichtweg, halt, folglich, etwa, dabei, dann und wann, bekanntlich, bloß, überaus, wiederum, zuweilen.

Überflüssige Adjektive und Adverbien streichen
Eigenschaftswörter werden benutzt, um eine Sache oder eine Handlung näher zu beschreiben: der gelbe Bus; ich fahre schnell. In vielen Fällen ist eine nähere Beschreibung von Dingen oder Handlungen unnötig. Das beste Beispiel hierfür ist der bekannte Ausspruch vom weißen Schimmel. Das Wort „weiß“ gibt dem Leser keine neue Erkenntnis über den Schimmel, denn in der Regel weiß der Leser, dass ein Schimmel (Pferd) weiß ist. Adjektive und Adverbien sind dann zu streichen, wenn sie zu solch einer Doppelung führen. Sobald ein Eigenschaftswort keinen Mehrwert für den Leser liefert: Löschen!

Beispiele für löschwürdige Eigenschaftswörter:
Ich habe eine dunkle Ahnung.
Ich bin der festen Überzeugung.
Das exemplarische Beispiel entstammt der Quelle …
Die weltweite Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.
Ich habe die Prüfung erfolgreich bestanden.

Vorsilben, die niemand braucht
An Wörtern selbst kann man Kürzungen vornehmen, um die Klarheit einer Aussage weiter zu verschärfen. Diese Kürzungen betreffen die Vorsilben. Sie sind sprachlicher Ballast, der Platz wegnimmt und den Sinn einer Aussage vernebelt.

Beispiele für löschwürdige Vorsilben
aufzeigen – zeigen
abändern – ändern
anordnen – ordnen
nachfolgen – folgen
überprüfen – prüfen
anmieten – mieten
einsparen – sparen

Es ist bei jeder Textarbeit wichtig, die Aussagen so gut wie möglich zu präzisieren. Dies gelingt durch das Streichen überflüssiger Textteile. Allerdings ist darauf zu achten, dass die oben aufgeführten Ratschläge keineswegs radikal durchgeführt werden müssen. Wenn man als Autor das Gefühl hat, dass dieses oder jenes Wort an genau seiner Stelle passt, dann sollte man es auch stehen lassen – ganz gleich, ob der Verstand sagt, es sei überflüssig. Ein guter Text ist immer das Ergebnis aus Intuition und selbstkritischer Arbeit.