Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Donnerstag, 8. August 2013

Unnötiges streichen!



Die Angst, zu wenig zu schreiben, ist unbegründet. Besser ist es, Überflüssiges zu streichen und mit klaren Aussagen zu überzeugen.

                                                        Andreas Morlok  / pixelio.de




Wer einen Text schreiben muss, leidet gerade wenn es ein längerer Text werden soll, unter der Angst, die Seiten nicht füllen zu können. Diese Sorge führt nicht nur zu unnötigem Druck, sondern auch zu einer schlechteren Schreibe. Denn wer Angst hat, zu wenig zu schreiben, neigt dazu, einmal Gesagtes zu wiederholen, vermehrt Phrasen zu verwenden und Sätze mit unnötigen Wörtern zu verlängern. Hauptsache die Seiten werden voll. Dieses Vorgehen ist nicht nur für den Text schädlich, sondern auch für all jene, die ihn lesen. Lang gezogene Sätze verschleiern die zentralen Aussagen. Unnötige Wörter sorgen für Unverständnis und Langeweile. Wiederholungen wirken einfältig und teilweise sogar provozierend. Darum ist es erforderlich, vor einer Textveröffentlichung Zeile für Zeile des Textes zu lesen und alles, was gestrichen werden kann, zu streichen.

Drei Vorteile für den Leser:
   - Zeitersparnis beim Lesen, weil keine nutzlosen Worthülsen vorhanden sind
-  - Erkenntniszuwachs, weil der Sinn des Textes freigelegt ist
-  - Freude am Lesen, weil der Text flüssig gelesen werden kann

Leere Phrasen löschen
Die erste und einfachste Maßnahme, einen Text effektiv zu kürzen, um den Sinn besser herauszuarbeiten, ist es, leere Phrasen zu entfernen. Es sollte jeder Satz gelöscht werden, der keinen Bezug zum Thema des Textes hat. Oftmals wird zu pompös oder zu „wichtigtuerisch“ geschrieben, um den Eindruck von Seriosität zu erwecken. Solche gearteten Ausdrücke können gewissenhaft gelöscht werden, denn sie sind unnötig.

Ein Beispiel für eine sprachliche Luftblase:
In diesem Kontext möchte ich es mir nicht nehmen lassen, die Leser darauf hinzuweisen, dass in unserem Unternehmen die Bereiche Marketing und Vertrieb sehr eng zusammenarbeiten.
Der Satz scheint ernst zu klingen, aber ernstnehmen kann man ihn nicht. Die Vorbemerkung „möchte ich es mir nicht nehmen lassen, die Leser darauf hinzuweisen“ tut nichts zur Sache. Sie ist unnötig. Darum: Löschen! Die Leser benötigen diese Information nicht, um den Rest der Aussage deuten zu können. Weiterhin ist das Wort „Bereiche“ überflüssig, denn es ist klar, dass Marketing und Vertrieb bestimmte Bereiche sind. Gekürzt kann der Satz wie folgt lauten: Marketing und Vertrieb arbeiten in unserem Unternehmen eng zusammen.

Füllwörter streichen
Sätze werden mit Füllwörtern unnötig verlängert. Darum nennt man sie auch Flickwörter oder Blähwörter. Sie blähen etwas auf, wo gar nichts ist. In der gesprochenen Sprache kommen Füllwörter häufig zum Einsatz. In der geschriebenen Sprache sollte man sie vermeiden. Manchmal haben Füllwörter ihre Berechtigung, wenn es darum geht, etwas Bestimmtes zu betonen oder um den Klang eines Satzes zu verändern. In der Regel sind sie aber überflüssig.

Beispiele für Flickwörter:
Allenfalls, allzu, glatt, gleichsam, denkbar, quasi, schlichtweg, halt, folglich, etwa, dabei, dann und wann, bekanntlich, bloß, überaus, wiederum, zuweilen.

Überflüssige Adjektive und Adverbien streichen
Eigenschaftswörter werden benutzt, um eine Sache oder eine Handlung näher zu beschreiben: der gelbe Bus; ich fahre schnell. In vielen Fällen ist eine nähere Beschreibung von Dingen oder Handlungen unnötig. Das beste Beispiel hierfür ist der bekannte Ausspruch vom weißen Schimmel. Das Wort „weiß“ gibt dem Leser keine neue Erkenntnis über den Schimmel, denn in der Regel weiß der Leser, dass ein Schimmel (Pferd) weiß ist. Adjektive und Adverbien sind dann zu streichen, wenn sie zu solch einer Doppelung führen. Sobald ein Eigenschaftswort keinen Mehrwert für den Leser liefert: Löschen!

Beispiele für löschwürdige Eigenschaftswörter:
Ich habe eine dunkle Ahnung.
Ich bin der festen Überzeugung.
Das exemplarische Beispiel entstammt der Quelle …
Die weltweite Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten.
Ich habe die Prüfung erfolgreich bestanden.

Vorsilben, die niemand braucht
An Wörtern selbst kann man Kürzungen vornehmen, um die Klarheit einer Aussage weiter zu verschärfen. Diese Kürzungen betreffen die Vorsilben. Sie sind sprachlicher Ballast, der Platz wegnimmt und den Sinn einer Aussage vernebelt.

Beispiele für löschwürdige Vorsilben
aufzeigen – zeigen
abändern – ändern
anordnen – ordnen
nachfolgen – folgen
überprüfen – prüfen
anmieten – mieten
einsparen – sparen

Es ist bei jeder Textarbeit wichtig, die Aussagen so gut wie möglich zu präzisieren. Dies gelingt durch das Streichen überflüssiger Textteile. Allerdings ist darauf zu achten, dass die oben aufgeführten Ratschläge keineswegs radikal durchgeführt werden müssen. Wenn man als Autor das Gefühl hat, dass dieses oder jenes Wort an genau seiner Stelle passt, dann sollte man es auch stehen lassen – ganz gleich, ob der Verstand sagt, es sei überflüssig. Ein guter Text ist immer das Ergebnis aus Intuition und selbstkritischer Arbeit.