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Dienstag, 1. Oktober 2013

Wissenschaftlich denken: Hypothesen und Aussagen



Wissenschaftliches Schreiben gelingt nur, wenn man auch wissenschaftlich denken kann. Wissenschaftliches Denken ist logisches Denken. Es geht darum, Hypothesen abzuleiten, Hypothesen zu belegen, und eigene Aussagen zu treffen.



 Lupo  / pixelio.de


Aussagen, die in einem wissenschaftlichen Text nicht bearbeitet werden, sind wertlos. Ihnen fehlt die Substanz. Zwar haben sie einen bestimmten Inhalt. Aber wenn dieser Inhalt nicht aufgearbeitet wird, sondern isoliert stehen bleibt, ist er für die wissenschaftliche Arbeit sinnlos. Darum ist es wichtig, zu wissen, wie man mit Hypothesen, Aussagen und empirischen Daten umgehen sollte. Im Folgenden wird der Umgang mit empirischen Daten außenvorgelassen, weil diese Thematik den Rahmen der Arbeit sprengen würde und der gewählte Schwerpunkt auf Literaturarbeiten liegt.

Die Arbeit mit Aussagen


Wenn man selbst Aussagen trifft oder in Forschungs- und Theorieliteratur Aussagen anderer Autoren findet, dann gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten, wie diese Aussagen bearbeitet werden können. Man kann die einzelnen Aussagen gegenüberstellen und sie gleich oder aber differenziert betrachten. Man kann sie aufzählen und diskutieren. Man kann an ihnen zweifeln oder sie fraglos übernehmen. Man kann die Aussagen beschreiben oder Kritik an ihnen üben. Aussagen können behauptet oder belegt werden.

Das Ziel einer wissenschaftlichen Arbeit ist es, den Wissensvorrat der Gesellschaft zu erweitern. Das trifft auch auf die kleinen Arbeiten, wie Seminararbeiten, Bachelor- oder Masterarbeiten, zu. Ein wissenschaftlicher Autor hat damit die Aufgabe, Erkenntnisse zu gewinnen und zu systematisieren. Dazu bedarf er der Aussagen anderer Wissenschaftler und muss eigene Aussagen formulieren können. Die Voraussetzung für einen guten Umgang mit Aussagen ist auf kritische Distanz zu gehen und keine Gegebenheiten anzunehmen. Das heißt nicht, dass alles infrage gestellt werden müsste, aber es ist zwingend von einem rein deskriptiven Ansatz abzuraten, der ausschließlich der Beschreibung bereits vorhandener Erkenntnisse dient. Eine Beschreibung erfüllt zwar ihren Zweck, doch sollte sie in einem wissenschaftlichen Werk niemals allein stehen. Es geht darum, die relevanten Aussagen zu sortieren und in einen Zusammenhang zu setzen. Die Aussagen dienen dazu, Ursachen und Wirkungen herausarbeiten zu können. Dabei müssen die Aussagen mit einem wissenschaftlichen Charakter bewertet werden. Ein Text erzeugt erst dann eine Wirkung, wenn die Aussagen über einen Wahrheitsgehalt verfügen, wenn sie belegt werden können, und wenn sie Raum für weitere Interpretationen lassen. Eine Gültigkeit von Aussagen lässt sich anhand von vier Fragen feststellen: Ist die Argumentation logisch? Kann man die Aussage zumindest vom Grundsatz her widerlegen? Steht sie im Einklang mit anderen etablierten Aussagen? Lässt sich die Aussage empirisch überprüfen?

Die Arbeit mit Hypothesen

Hypothesen sind Behauptungen. Es handelt sich um Aussagen, deren Gültigkeiten möglich sein können. Für sie gibt es noch keine Beweise, und Hypothesen sind auch nicht verifiziert. Ein zentrales Merkmal ist die Angabe von Bedingungen, unter denen die Hypothesen gültig sein sollen. Im wissenschaftlichen Denken geht man von einem Problem der Wirklichkeit aus. Das heißt, dass ein Erklärungsbedarf für etwas besteht, das in der Realität vorgefunden wurde. Um einen Kausalzusammenhang, und damit eine Erklärung, für das Problem finden zu können, werden Lösungsvorschläge erarbeitet und in Hypothesen formuliert. Diese Hypothesen werden dann an realen Bedingungen überprüft. Manche Hypothesen scheitern an der Wirklichkeit, andere bestehen und werden weiter verarbeitet. Durch das ständige Bilden und Überprüfen von Hypothesen will man Gesetzmäßigkeiten finden, die den Bedingungen der Realität standhalten können.

Auf den ersten Blick scheint dieser Ansatz vor allem für naturwissenschaftlich-technische Disziplinen geeignet zu sein. Aber auch die Geistes- und Sozialwissenschaften arbeiten nach diesen Prinzipien. Wenn man beispielsweise in der Wirklichkeit eine zunehmende Jugendkriminalität feststellt, dann wird nach Ursachen gesucht, um von diesen ausgehend Lösungsansätze erarbeiten zu können, die die Jugendkriminalität bekämpfen sollen. Das Suchen nach Ursachen geschieht über die Hypothesenbildung. So kann man als eine exemplarische Hypothese formulieren: „Die Jugendkriminalität nimmt zu, weil die Kinder in den Medien mit immer mehr Gewalt konfrontiert werden.“ Diese Hypothese wird in einem wissenschaftlichen Verfahren untersucht. Man kann zum Beispiel eine Studie anlegen und im Quer- oder Längsschnittverfahren den Zusammenhang von medialer Gewalt und kriminellem Verhalten überprüfen. Wenn es bereits wissenschaftliche Erkenntnisse zur Jugendkriminalität und Mediengewalt gibt, dann können diese als Grundlage für weitere Untersuchungen genommen werden. Das Ziel sind generalisierbare Aussagen, die wissenschaftlichen Überprüfungen standhalten. Man geht also beim wissenschaftlichen Denken von einer noch nicht überprüften Hypothese oder von einer Fragestellung aus und gelangt zu Hypothesen, die theoretisch und/oder empirisch überprüfbar sind und im besten Fall den Anspruch auf eine Gesetzesaussage erheben können.
 

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