Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

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Montag, 19. Mai 2014

„Und nochmal, nochmal …“ – Zweimalaussagen in der deutschen Schriftsprache



Wortwiederholungen sind in einem Text nicht zwangsläufig stilschädigend, sie können den Stil sogar beleben und auf wichtige Inhalte aufmerksam machen. Wie mit Wortwiederholungen richtig umzugehen ist, wird im Folgenden dargestellt.



Lupo  / pixelio.de


Normalerweise hören sich Wortwiederholungen in einem Text nicht gut an. Der Leser
kommt bei einer Wiederholung oftmals ins Stocken und muss überlegen, ob er in der Zeile verrutscht ist oder ob er die Textstelle nicht eben schon gelesen hat. Wortwiederholungen – sofern sie nicht korrekt angebracht werden – sorgen für unnötige Verwirrungen und zeugen auch von einem schlechten Stil, denn wenn ein Wort mehrfach hintereinander geschrieben wird, ohne dass es einen erkennbaren Sinn für diese Häufung gibt, dann legt dies die Vermutung nahe, dass das Vokabular des Schreibers – zumindest in dieser Hinsicht –recht beschränkt ist. Ein Beispiel für solch eine unnötige und stilschädigende Doppelung mag dies verdeutlichen:

„Als Frau Machtes am späten Abend ihre Augen aufmachte, machte sie einen schnellen Sprung aus dem Bett. Dabei machte sie so viel Krach, dass sie ihre Katze wach machte. Sie wusste, was dies bedeutete und machte sich auf den Weg in die Küche, um der Katze etwas zu essen zu machen. Als sie in der Küche den Kühlschrank aufmachte, machte sie eine überraschende Entdeckung: Jemand hat das Essen für die Katze schon gemacht. Frau Machtes brauchte es also nicht mehr machen und machte sich deswegen wieder auf den Weg ins Schlafzimmer. Das Essen stellte sie in eine Ecke des Zimmers, aber die Katze machte sich nichts daraus. Sie sprang auf das Fenster und machte sich nach draußen.“

Das Verb „machen“ kommt in diesem Beispieltext viel zu häufig vor. Nicht nur, dass es in seiner Bedeutung vollkommen offen ist und nur der Kontext Schlüsse darüber erlaubt, was Frau Machtes tut, es ist auch so, dass der Lesefluss vollkommen gestört wird, denn Wortwiederholungen wirken wie große Steine in einem Flussbett, die vom Wasser umspült werden müssen. Der Autor hätte das Wort „machen“ durch andere Wörter, ja sogar durch vollkommen andere Sätze, variieren müssen.

Wo sind Wortwiederholungen „verboten“?

Eine konkrete Regel, so wie man sie aus der Grammatik oder Rechtschreibung kennt, gibt es nicht. Ganz entscheidend ist das Gefühl des Autors, welches er hat, wenn er sich mit seinem Text auseinandersetzt. Wenn sich eine Textstelle, in der eine Wortwiederholung vorhanden ist, seltsam anfühlt, dann ist das ein Hinweis darauf, das wiederholte Wort bzw. die Wortgruppe zu ersetzen. Das seltsame Gefühl zeichnet sich durch eine gewisse Ahnung aus, dass etwas nicht stimmen könnte. Unabhängig vom subjektiv-emotionalen Eindruck sollte der Maßstab zum Entscheid über Wortwiederholungen die Notwendigkeit sein: Überall dort, wo es möglich ist, sollte man Wortwiederholungen vermeiden. An Textstellen, an denen man durch eine Wiederholung etwas Wichtiges betonen möchte, kann sie durchaus legitim sein.

Die Notwendigkeit von Wörtern, Wortgruppen oder ganzen Sätzen ergibt sich in einer umgekehrten Frage, indem man beispielsweise einen Satz nimmt und ihn auf unnötige bzw. überflüssige Ausdrücke hin untersucht. Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

„Das Leben ist schön, wenn wir das Leben der Liebe weihen.“

Die Wortwiederholung liegt im Konditionalsatz (Bedingungssatz) – nämlich das Wort „Leben“. Mit dem Wort „wenn“ wird eine Beziehung zu dem vorherigen Satzteil hergestellt, denn es wird ausgesagt, dass das Leben schön ist, wenn es der Liebe geweiht wird. Somit ist es ausreichend, nur einmal das Wort „Leben“ zu schreiben.

„Das Leben ist schön, wenn wir es der Liebe weihen.“

Es ist unnötig, in ein- und demselben Satz zweimal das Subjekt zu erwähnen, da sich die Bedingung, die durch das Wort „wenn“ erkennbar wird, nur auf dieses eine „Leben“ bezieht. Wenn man Wortwiederholungen verwenden möchte, um einen Satz schöner klingen zu lassen oder um einen bestimmten Inhalt besonders zu betonen, dann sollte ausschließlich das Wort wiederholt werden, welches den Sinn trägt. Wieder ein Beispiel zur Darstellung:

„Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein.“ (Friedrich Schiller“

Als Faustregeln kann man sich also merken:
-       Wichtige Wörter dürfen wiederholt werden – unwichtige nicht.
-       Klangwiederholungen sind zu vermeiden (erstes Textbeispiel, „machen“)

Möglichkeiten der Vermeidung von Wiederholungen

Wenn es sich um einzelne Wörter handelt, so kann man auf Synonyme zurückgreifen, um Doppelungen zu vermeiden. Aber hierbei muss unbedingt darauf geachtet werden, dass nicht jedes Synonym die identische Bedeutung mit dem Original-Wort gemein hat. Aus den zur Verfügung stehenden Synonymen sind also entweder jene auszuwählen, die der originalen Bedeutung entsprechen, oder jene, die den Sinn des Original-Wortes auf eine ähnliche Weise transportieren können. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, die gesamten Sätze so zu verfassen, dass Wortwiederholungen gar nicht notwendig sind – hierfür bedarf es allerdings einer Menge Schreiberfahrung und Textgefühl.

Beispiele für bedeutungsnahe Synonyme:
Mutter / weiblicher Elternteil
Fahrzeug / Wagen
Haus / Gebäude
Boot / Schiff
Straße / Fahrbahn

Diese Beispiele zeigen eine gewisse Ähnlichkeit des Original-Wortes und des entsprechenden Synonyms, dennoch gibt es Unterschiede; eine Straße muss nicht zwangsläufig eine Fahrbahn sein, und ein Gebäude muss nicht unbedingt ein Haus sein. Hier ist der Kontext zu berücksichtigen, um zu überprüfen, ob sich aus diesem der Sinn des Wortes erschließt oder nicht.

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