Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Montag, 20. Oktober 2014

Themen richtig formulieren



Bei wissenschaftlichen Arbeiten und Sachliteratur ist die Konkretisierung des Themas für den Arbeitserfolg unabänderlich.

Vielleicht geht es Ihnen ja gerade so: Sie haben eine Idee im Kopf, zu der Sie gerne einen Text schreiben wollen. Dabei soll es sich um einen Sachtext oder einen wissenschaftlichen Text handeln. Die Idee ist noch sehr vage bzw. ist das Thema, über welches Sie schreiben wollen, noch ziemlich breit gefächert und Ihnen fällt der Anfang des Schreibens schwer: Wo nur anfangen? Was gehört in den Text, was nicht? Wann ist das Thema verfehlt? Wie kann Spannung erzeugt werden? Wie kann der Inhalt gegliedert werden? – Auch wenn diese Fragen nicht immer bewusst auftauchen, so sind sie die Leitfragen für eine effektive Textarbeit, an deren Anfang die Eingrenzung des Themas steht.

Das Thema – Grenze und Möglichkeit des Autors

Das Thema bestimmt maßgeblich den Aufbau und den Inhalt eines Textes – und somit das Vorgehen des Autors. Für eine zielführende Arbeit ist es notwendig, einen Rahmen zu setzen, in welchem gearbeitet werden kann. Außerdem können die Möglichkeiten ausgelotet werden, mit denen als Autor gearbeitet werden kann. Diese ergeben sich aus folgenden themenzentrierten Fragestellungen: Welche Inhalte sind für ein Thema relevant? Wie sollten diese aufgebaut werden, so dass Leser einen Mehrwert erhalten, das Thema konkret dargelegt wird und die Inhalte in ihrem sachlichen Charakter nicht gekürzt werden? Welche stilistischen Mittel bieten sich besonders an? Anhand dieser Fragen ergeben sich zwei wesentliche Bedingungen, die bei der Wahl des Themas bzw. bei dessen Formulierung berücksichtigt werden müssen:

I
Wenn ein Thema zu weit oder zu offen formuliert wird, gibt es keine klare Grenze und das Thema kann rasch verfehlt oder überschritten werden.

II
Wenn ein Thema zu eng oder zu starr formuliert wird, gibt es nur eine geringe Auswahl an Möglichkeiten der Textgestaltung, was den Lesefluss beeinträchtigen kann.

Damit ein optimales Gleichgewicht zwischen Grenzen und Möglichkeiten bestehen kann, ist es wichtig, das Thema benennen zu können. Dies ist in wissenschaftlichen Texten die Regel. Bei Sachliteratur – insbesondere bei Büchern – ist dies nicht immer der Fall, weil es in diesem Genre eher auf spannende Titel ankommt.

So finden Sie ein passgenaues Thema

Arbeiten Sie sich zunächst mit vorhandener Literatur in ein grobes Thema ein, welches Sie spezialisieren möchten. Sie können diese Spezialisierung aufgrund Ihrer persönlichen Erfahrungen vornehmen oder aufgrund der Kombination des groben Themas mit einem anderen Thema. So wäre es beispielsweise möglich, das grobe Thema „Zweiter Weltkrieg“ mit dem Thema „Deutsche Frauen“ zu kombinieren Daraus ließen sich verschiedene Fragestellungen ableiten, aus denen Themen formuliert werden können. Bleiben Sie immer so präzise wie möglich und finden Sie nach Möglichkeit ein konkretes Beispiel, mit welchem Sie Ihr Thema veranschaulichen können. Auch wenn Sie das Thema bei Ihrem Text nicht angeben müssen, ist es dennoch sehr hilfreich, den Inhalt auf einige wenige Worte zu reduzieren, mit denen die Aussage des Textes erfasst werden kann. Je präziser eine Themenstellung ist, desto besser können Sie mit dem Text und den dazugehörigen Materialien arbeiten, denn Sie wissen immer, wo Sie hin wollen.

Wenn Sie eine Idee zu einem Buch haben, welches Sie schreiben möchten, werden Ihnen vermutlich sehr viele Sachverhalte, Begriffe oder Beispiele in den Sinn kommen, die alle themenrelevant sind. Machen Sie aber nicht den Fehler und definieren ein viel zu komplexes Thema. Je komplexer ein Thema formuliert ist, desto undurchsichtiger ist der Inhalt. Vermeiden Sie auch beeindruckend klingende Floskeln. Bleiben Sie einfach, direkt und konkret.

Beispiel für eine schlechte Themenstellung:
Analyse des Frauenbildes im Zweiten Weltkrieg auf der Seite des Deutschen Reiches unter Berücksichtigung nationalsozialistischer Ideologie, Kriegsführung und Gesellschaft – ein Beitrag zur Geschlechterforschung im Spannungsfeld von Politik und Weiblichkeit im 20. Jahrhundert.

Beispiel für eine gute Themenstellung:
Das Frauenbild der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg.

Sie müssen nicht jeden Inhalt in das Thema packen. Viel wichtiger ist es, mit wenigen Worten Raum für das Thema zu schaffen, in welchen sämtliche Inhalte integriert werden können, die Teil der Gliederung sein sollen. Daher ist es ratsam, Thema und Gliederung parallel zu entwickeln, um sowohl die Themenstellung als auch die Gliederung den aktuellen Erkenntnissen anpassen zu können. Um ein passendes Thema zu definieren, benötigen Sie drei Impulse:

1. Sie müssen wissen, womit Sie sich beschäftigen wollen.
2. Sie müssen wissen, was Sie bereits wissen und was Sie mit dem Text in Erfahrung bringen wollen (bzw. der Leser).
3. Sie müssen wissen, wie Sie vorgehen wollen.

Anhand der beiden Beispiele ist ersichtlich, wie kompliziert klingende Themen vereinfacht werden können. Auch dies ist ein bewährtes Vorgehen, bei der Wahl des Themas. Sie können von der Komplexität zur Einfachheit gehen und schrittweise ein kompliziertes Thema vereinfachen. Das Wort „Analyse“ im obigen Beispiel hat keinen Bezug zu den anderen Bestandteilen des Themas und ist somit überflüssig. Es wird nichts über die Analyse gesagt und dass es sich bei der Beschreibung und/oder Erklärung des Frauenbildes um eine Analyse handelt, muss nicht explizit erwähnt werden. „auf der Seite des Deutschen Reiches“ ist ausreichend und muss nicht noch mit „unter Berücksichtigung nationalsozialistischer Ideologie …“ ergänzt werden. Umgekehrt ergibt es jedoch mehr Sinn und mehr Präzession, indem gleich von den Nationalsozialisten gesprochen wird und nicht vom Deutschen Reich. „Beitrag zur Geschlechterforschung“ ist kein zwingender Themenbestandteil, da dies dem Wort „Frauenbild“ immanent ist. Die Wortgruppe „im Spannungsfeld …“ ergibt sprachlogisch keine Sinn, weil sie zu unsauber formuliert wurde. Was genau ist das Spannungsfeld? Und wieso besteht es zwischen Politik und Weiblichkeit? Mit diesen Fragen wird der Leser alleine gelassen. Besser ist dagegen eine kurze und prägnante Formulierung, die ggf. sogar als Titel verwendet werden kann.