Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

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Freitag, 11. September 2015

Geschriebenes Wort = gesprochenes Wort?



Zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen geschriebener und gesprochener Sprache im Deutschen


Der schreibende und sprechende Mensch verwendet zwei unterschiedliche Sprachen. Auch wenn Buchstaben und Wörter gleich bleiben, ist die geschriebene Sprache eine andere als die gesprochene. Diese ist oftmals schneller, beinhaltet eher kürzere Wörter und Alltagsvokabular. Die geschriebene Sprache ist ausführlicher, verlangt genaueres Denken und kann deutlich mehr Abstraktionen beinhalten als die gesprochene Sprache.


Die Muttersprache wird in unserer Kultur auf zweierlei Weise gelehrt und gelernt: Sie wird gesprochen und geschrieben. Das geschriebene Wort gleicht scheinbar dem gesprochenen, doch es gibt auch Unterschiede, mit denen beide Sprachweisen klar voneinander zu differenzieren sind. Der größte Unterschied ist in der Anwendung zu sehen: Während man die gesprochene Sprache relativ zügig ausdrücken kann und es nur selten bewusste Denkprozesse erfordert, ist bei der geschriebenen Sprache mehr Zeit einzuplanen. Bei ihr spricht die Stimme im Kopf deutlich und man überlegt detaillierter über Wörter, Ausdrücke und Inhalte.

Die geschriebene Sprache

Die geschriebene Sprache besteht aus Buchstaben. Wir verwenden das lateinische Alphabet. Für die Buchstaben gibt es unterschiedliche Schreibweisen. Während bei der Schreibschrift ein individueller Ausdruck des Schreibers zu vernehmen ist, sind die Druckschriften „objektiver“, weil eine Maschine die Buchstaben projiziert und somit persönliche Merkmale des Autors außen vor bleiben. Diese sind dann nur noch am Inhalt erkennbar, nicht aber am Schriftbild, da dieses genormt ist.

Die Buchstaben der geschriebenen Schrift sind die Laute der gesprochenen. Die gesprochene Sprache besitzt im engen Sinne keine Buchstaben, sondern nur Laute. Diese können beim Sprechen sehr stark variieren, in der geschriebenen Sprache sind sie aber auf Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen begrenzt. Die Laute werden in zwei Formen unterschieden: Vokale und Konsonanten.

Vokale sind Selbstlaute, also Laute, bei dessen Artikulation der Phonationsstrom weitgehend ungehindert durch den Mund ausströmen kann: a, e, i, o u. Konsonanten sind Mitlaute, also Laute, bei dessen Artikulation eine Verengung des Stimmtraktes stattfindet. So wird der Atemluftstrom ganz oder teilweise blockiert und es kommt zu hörbaren Turbulenzen; zum Beispiel: h, t, s, k, n, r

Die gesprochene Sprache

Die gesprochene Sprache geschieht über die Anwendung der Laute. Hier vereinen sich die Buchstaben der Muttersprache mit den Sprechorganen des menschlichen Körpers. Die Organe sind Stimmbänder, Gaumen, Nase, Zunge und Lippen. Je nach Anwendung der einzelnen Organe können unterschiedliche Laute gebildet werden. Im Allgemeinen wird zwischen stimmhaften und stimmlosen Lauten unterschieden. Zu den stimmhaften zählen die Vokale, denn bei ihnen kommt es immer zur Schwingung der Stimmbänder. Das heißt aber nicht, dass Vokale nicht auch unterschiedlich ausgesprochen werden können. Sie können durch verschiedene Klangfarben individualisiert werden.

Alle alphabetischen Buchstaben, die keine Vokale sind, sind Konsonanten. Bei deren Aussprache wird der Luftstrom behindert oder unterbrochen. Dafür sorgen Lippen, Nase, Gaumen und Zunge. Auch hier wird zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten unterschieden. Bei den stimmhaften Konsonanten liegt die Betonung auf eben jenen Lauten, z. B. „Bahn“ oder „haben“. Stimmlose Beispiele sind „Obst“ oder „wichtig“.

Schreiben oder sprechen – sprechen und schreiben

Die gesprochene Sprache wird über Laute manifestiert. Die Laute sind Klangkonstrukte, die Buchstaben repräsentieren, die in unserem Alphabet vorkommen. Die Buchstaben sind wiederum mit Lauten verbunden. Wenn Sie einen bestimmten Satz nur denken, benötigen Sie bereits dafür Buchstaben und Laute. „Verflixt nochmal“ lässt sich ziemlich laut-stark denken. Geschrieben kann es ganz nüchtern klingen, weil die Betonung nicht mitgeschrieben werden kann.

Wenn ich den ersten Buchstaben des Alphabets spreche, ist das A ein Laut, ein Vokal. Der Buchstabe kann auch geschrieben werden. Da die Klangbildung mittels Stimme beim Schreiben fehlt, hat die geschriebene Sprache keine Laute, sondern nur die Buchstaben. Mit den Buchstaben können zwar teilweise Laute rekonstruiert werden, aber die gesprochene Sprache verfügt über mehr Lautevielfalt als die geschriebene, weil die Sprechorgane sehr unterschiedlich genutzt werden können.

Wenn Sie sich in einer Gruppe befinden und über Ihren Tag erzählen, dann sprechen Sie in der Regel mit Ihren Mitmenschen zügig, so dass Sie einen fließenden Sprachstrom erzeugen. Dieser Strom drückt das aus, was Sie erzählen möchten. Nur in den seltensten Fällen werden Sie vor solch einem Gespräch die Ruhe gesucht haben, um im Vorfeld zu planen, was Sie wie sagen werden. In der Regel sprechen Sie spontan „ohne nachzudenken“. Der Strom ist nur dadurch möglich, dass Sie einwandfrei sprechen können. Würden Sie über jedes zweite Wort nachdenken, könnten Sie keinen solchen fließenden Strom von Wörtern erzeugen und Ihre Mitmenschen hätten mit Ihnen Kommunikationsprobleme. Würden Sie Ihren Mitmenschen einen Brief schreiben, hätten Sie genug Zeit, in aller Ruhe Ihre Sätze zu formulieren. Die geschriebene Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass ein gewaltiger Denkprozess dem Schreibprozess vorausgeht bzw. Teil dessen ist. Sie müssen den Satz erst in Gedanken konstruiert haben, bevor Sie Ihn schreiben können. Eine Ausnahme bilden die Vielschreiber, die so viel Routine im Schreiben haben, dass Sie nicht über jedes Wort oder jeden Satz nachdenken müssen, sondern wie beim Sprechen einfach schreiben – fließend. Das setzt allerdings eine sehr gute Kenntnis der Sprache voraus.

In einigen Schreibratgebern ist zu lesen, dass man schreiben sollte wie man spricht. Das heißt, man sollte die gesprochene Sprache verschriftlichen. Wer sich allerdings im alltäglichen Gespräch beobachtet, wird feststellen, dass diese Forderung mehr als Ideal und weniger als konkrete Anleitung zu verstehen ist, denn das, was wir täglich an Lauten produzieren, würde man es genauso verschriftlichen, würde den Empfänger überfordern, da er jedes Wort und jeden Laut dechiffrieren müsste. Sowohl beim Schreiben als auch beim Sprechen müssen Sie überlegen, was Sie in Sprache verwandeln wollen. Beim Sprechen geschieht dies größtenteils automatisch, also unbewusst. Beim Schreiben wird ein bewusster Gedankengang erfordert. Gerade bei längeren Texten wird er dadurch sichtbar, dass die Inhalte logisch gegliedert werden müssen.
 

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