Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Montag, 8. Februar 2016

Leserführung – das besondere Etwas



Mit der richtigen Struktur mehr Sinn und Denkweite

Es gibt unzählige Texte. Die Leserführung ist ein Kriterium, mit dem die Spreu vom Weizen getrennt werden kann. Gute Texte haben sie, schlechte haben sie nicht oder nur mangelhaft. Leserführung ist die Kunst, mit Wörtern und der Textstruktur einen Leser geschickt und begründet von Inhalt zu Inhalt zu führen. Diese Führung ist keine Manipulation, sondern wie ein Wegweiser in einem fremden Land. Der Leser braucht ihn, um das Land kennenzulernen und einzuschätzen.

Viele Texte warten zwar mit spannenden Inhalten auf, können diese aber nicht kommunizieren. Ein häufiger Fehler, den Autoren – Profis wie Anfänger gleichermaßen – begehen, ist, die Leserführung zu missachten. Sie präsentieren Inhalte, nehmen vielleicht noch die Perspektive der möglichen Zielgruppen ein, aber dann war es das. Leserführung ist ein entscheidendes Merkmal guter Texte, das bereits in der Gliederung beachtet werden muss.

Was es heißt, einen Leser zu führen

Solange jemand Texte liest, führt der Autor dieser Texte unweigerlich den Leser. Die Frage ist nur, ob er gut oder schlecht führt. Einen Leser zu führen, heißt im Allgemeinen, dass er die Inhalte, die der Autor aufbereitet hat, liest und den Sinn, so wie es der Autor möchte, nachvollziehen kann. In einem engeren Sinne heißt „Leserführung“, darauf zu achten, die einzelnen Inhalte so zu ordnen und aufzubereiten, dass der Leser mühelos von einem Inhalt zum nächsten geführt wird. Es geht darum, Inhalte nicht willkürlich zu unterbreiten, sondern ein System zu erstellen, in welchem die Inhalte so aufeinander aufbauen, dass der Leser versteht, warum er was an welcher Stelle liest. Einen Leser zu führen, heißt demnach, darauf zu achten, ihn bei seinem Vorwissen abzuholen und geordnet in die Gedankenwelt des Autors einzuführen. Hierfür muss man als Autor die Sicht seiner potentiellen Leser übernehmen und sich überlegen, welches Vorwissen diese zum Thema haben könnten, welche Motivationen es gibt, den Text zu lesen und welche Botschaft transportiert werden soll.

Warum ist Leserführung wichtig?

Leserführung ist wichtig, weil Autor und Leser unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema haben und diese Sichtweisen vereint werden müssen, damit der Autor seine Gedanken schlüssig für die Leser darlegen kann. Leserführung ist aber auch Respekt den Lesern gegenüber, denn sie werden nicht einfach mit Meinungen, Beschreibungen oder Erklärungen konfrontiert, sondern werden konzentriert und Schritt für Schritt geführt. Die Leser werden nicht übergangen, indem der Autor nur das schreibt, wovon er glaubt, dass es wichtig sei, sondern die Leser werden als Maßstab herangezogen, mit welchem Textinhalte, Textaufbau, Wortwahl usw. ausgerichtet werden. Der Leser wird zum Maß aller Wörter für den Autor. Wenn es keine Leserführung gibt, sind die Inhalte willkürlich. Es gibt kein System, welches der Leser nutzen kann, um sich im Text zurechtzufinden. Er hat nur die Inhalte zur Verfügung, die der Autor stellt. Bei der Leserführung geht es zwar letztlich auch nur um die Inhalte, aber sie erscheinen nicht willkürlich, sondern geordnet. Der Autor schafft es, den Leser an die Hand zu nehmen und ihn Schritt für Schritt durch seine Gedankenwelt zu führen. Er ist ein Reiseführer für Touristen in einem fremden Land. Gibt es keine Leserführung, ist es so, als würde man die Touristen mit Fallschirm irgendwo rauswerfen und sie sich selbst überlassen.

Wie schaffe ich Leserführung?

Leserführung beginnt bei der Planung des Themas. Sie endet in jedem Absatz, in jeder begründeten Überleitung von einem Inhaltspunkt zum nächsten. Bevor es an die Gliederung eines Textes geht, muss überlegt werden, was thematisch überhaupt dargestellt werden soll. Man kennt ein grobes Thema, muss es aber eingrenzen auf bestimmte Fragestellungen, Thesen oder inhaltliche Ausführungen. Hier startet die Leserführung mit der Überlegung, was die potentiellen Leser als Vorwissen mitbringen und welchen Mehrwert der Text ihnen bieten sollte. Im nächsten Schritt wird die Gliederung erarbeitet. Nachdem man einen Überblick darüber gewonnen hat, was alles im Text dargestellt werden soll, müssen diese Inhalte sinnvoll gegliedert werden. Leserführung heißt hier, sich eine Reiseroute zu überlegen, die der Autor gemeinsam mit seinen Lesern anschließend geht. Wo starte ich? Was erzähle ich zwischendurch? Was sind Sehenswürdigkeiten? Wo soll die Tour enden? Eine Gliederung gibt den groben inhaltlichen Ablauf vor. Sie sollte immer logisch sein. Die Inhalte sollten also stets aufeinander aufbauen. Dafür gibt es zwei Herangehensweisen: Entweder der Autor schreibt vom Allgemeinen zum Konkreten oder geht vom Konkreten aus und schließt auf das Allgemeine. Leserführung wird dadurch gewährleistet, dass die Reihenfolge der Inhalte nachvollziehbar gemacht wird. Die Systematik der inhaltlichen Reihenfolge muss in allen Textbausteinen vorhanden sein, damit Leerführung garantiert ist. Das bedeutet, dass der Autor nach seiner Gliederung den Text schreibt und dabei jedes Kapitel, jedes Unterkapitel, jeden Absatz und jeden Satz in einer größeren Logik verfasst. Eine logische Reihenfolge aller Inhalte ist für die Leserführung das A und O. Wenn ein Kapitel beendet wird, sollte der Autor nicht abrupt ein neues beginnen, sondern in einem kleinen Absatz erwähnen, was als nächstes kommt und warum es an dieser Stelle wichtig ist, sich gerade mit diesem Inhalt zu befassen. Das ist zwar teilweise mühevolle Handarbeit, zahlt sich aber nach der Veröffentlichung sofort aus, denn die Leser können sich schnell ins Thema einfinden, fassen Vertrauen und können so ihren Gedanken freien Lauf lassen. Leserführung muss natürlich inhaltlich und sprachlich gestützt sein.