Herzlich willkommen auf dem Schreibblog von Christoph Eydt

Gute und verständliche Texte sind eine Freude für den Leser. Sie wecken Neugier, Interesse und Lust am Lesen. Gute Texte garantieren nicht nur, dass die Botschaft den Leser erreicht, sondern sie schaffen auch eine Sympathie seitens des Lesers. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie, was gute Texte kennzeichnet und wie man sie schreiben kann.

Montag, 19. Juni 2017

Intuitives Schreiben



Das intuitive Schreiben unterscheidet sich vom geplanten oder logischen Schreiben dadurch, dass über den Inhalt, den Aufbau und die Gestaltung eines Textes nicht nachgedacht wird. Die Wörter „fließen“ heraus und erst im Anschluss zeigt sich, ob der so entstandene Text für einen Autor sinnvoll ist oder nicht.
Viele Autoren schreiben intuitiv. Das ist oft bei Lyrikern der Fall. Man kann ein Gedicht auf zweierlei Weise verfassen. Die eine Art ist die, dass man sich ein bestimmtes Reimschema heraussucht und sich nach diesem ausrichtet. Außerdem kann man Wörter bewusst aufeinander abstimmen, so dass sie sich reimen. Die andere Art ist, nicht über das Konzept des Gedichtes nachzudenken, sondern einfach draufloszuschreiben. Das kann wüst sein, aber auch sehr hingebungsvoll. Die Wörter oder Wortgruppen werden nicht erst mithilfe des Bewusstseins entwickelt, sondern sind gewissermaßen schon da und werden einfach herausgeschrieben. Man überlässt dem Unbewussten die Führung und selbst ist man nur das Werkzeug. Auch wenn man der Autor ist, ist man es im engen Sinne nicht, weil man den Text nicht mit dem Bewusstsein eines Autors entwickelt hat, sondern weil sich die Zeilen durch einen ausdrücken. Hier kann man sich an Reimschemen halten oder auch nicht. Das spielt beim intuitiven Schreiben keine Rolle, weil der Text, so wie er ist, ausgedrückt werden möchte, ohne dass er krampfhaft verändert werden müsste. So wie er dasteht, ist er richtig. Ob er Sinn ergibt oder nicht, ist eine andere Frage. Sinn ist ein Konstrukt, das auf Logik beruht. Logik ist ein Konstrukt, das konditioniert ist. Je nach Erfahrung kann ein Text dadurch sinnvoll sein oder nicht. Wenn man als Autor nicht über den Sinn nachdenkt, während man schreibt, sondern einfach die Worte hinschreibt, die geschrieben werden wollen, die scheinbar spontan auftreten, dann ist da kein Raum für konstruierte Sinnversuche. Man schreibt einfach, was „da“ ist. Meistens sind solche Texte deutlich gefühlvoller als rational zusammengestellte, weil nicht der Intellekt die Quelle des Textes ist, sondern ein anderer Ort, über den nur spekuliert werden kann. Man kann ihn als Unbewusstsein, Herz, Gott, Universum oder Ähnliches benennen. Das Ego mit seinen Grenzen mischt nicht mit, weshalb die Grenzen der Logik gesprengt werden.
Das intuitive Schreiben bietet eine gute Möglichkeit zur Reflexion und kann therapeutisch wirksam sein. Wenn man einfach herausschreibt, was sich von wo auch immer her ins Bewusstsein drängt, lernt man sehr viel über sich selber kennen. Auch das anschließende mehrfache Lesen eines auf diese Art entstandenen Textes erlaubt Reflexion. Oftmals berühren diese Texte auch im Nachhinein noch das Herz und sind deshalb authentisch. Natürlich eignet sich das intuitive Schreiben nicht für jede Textart. Bei einem Sachtext sollten Recherche und Gliederung tragende Elemente sein, aber will man sich belletristisch ausdrücken, hilft es, mit einem freien Geist zu schreiben, der nicht verkrampft an den Zeilen hängt. Je entspannter man ist, desto größer ist das geöffnete Tor zur intuitiven Quelle. Man handelt im Nicht-Handeln, man lässt die Wörter einfach zu, statt sie sich einzeln zu überlegen. Allerdings gilt auch hier: Übung macht den Meister. Man sollte im Vorfeld genug Gedichte oder andere Texte auf die rationale Art geschrieben haben, damit die Grenzen und Möglichkeiten von Wörtern und stilistischen Mitteln fest verankert sind und von der intuitiven Quelle genutzt werden können.

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